Vom Starnberger See nach Füssen
Jun 2019
Der König-Ludwig-Weg ist der erste Fernwanderweg im Alpenvorland. Er verläuft auf einer Länge von ca. 120 Kilometern und bietet mehr als 20 Attraktionspunkte, die alle im Bezug zu Bayerns Märchenkönig Ludwig II. stehen und ein intensives Eintauchen in die romantische Landschaft ermöglichen.
Der Wanderweg berührt sehenswerte Kloster und Kirchenbauten, zahlreiche Museen und die weltberühmten Königschlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau. Er ist mit einem königsblauen “K” mit Krone in beide Richtungen markiert und kann auch so begangen werden. Empfehlenswert ist allerdings die Begehung beginnend an der Votivkapelle in Berg am Starnberger See, über Hersching und Dießen am Ammersee, Wessobrunn, über Hohenpeißenberg nach Rottenbuch, vorbei an der Wieskirche und den Königsschlössern nach Füssen. So hat See man die Bayerischen Alpen immer im Blickfeld und nicht im Rücken.
Von den Anforderungen her ist der König-Ludwig-Weg als leicht einzustufen, die Etappen sind mit 20 bis 25 Kilometern nicht zu lang. Trotzdem sind auch einige Anstiege zu bewältigen und in der Ammerschlucht ist stellenweise aufmerksames Gehen erforderlich. Er kann vom Frühjahr bis in den späten Herbst begangen werden. Im Internet gibt es mehrere, unterschiedliche Beschreibungen der Etappen.
Ich habe für mich folgende Variante gewählt (die Entfernungsangaben sind dem Buch “König-Ludwig-Weg - Vom Starnberger See nach Füssen! von Christel Blankenstein entnommen):
1. Etappe
Berg - Starnberg - Maisinger See - Aschering - Kloster Andechs - Herrsching, von Herrsching nach Dießen mit dem Dampfer
24 Kilometer/6 Stunden
2. Etappe
Dießen - Marienmunster - Burgkapelle - Wessobrunn - Paternzell
18 Kilometer/5 Stunden
3. Etappe
Paternzell - St. Leonhard im Forst - Hohenpeißenberg - Ammerschlucht - Rottenbuch
25 Kilometer/6,5 Stunden
4. Etappe
Rottenbuch - Wildsteig - Wieskirche - Resle - Schober - Trauchgau
20 Kilometer/5 Stunden
5. Etappe
Trauchgau - Bayerniederhofen - Kühmoossee - Hegratsriedsee - Hohenschwangau - Schwansee - Füssen
23 Kilometer/6 Stunden
Die Idee zur Wanderung auf dem König-Ludwig-Weg hatte ich schon vor längerer Zeit, die Umsetzung allerdings über ein Jahr vor mir hergeschoben. In diesem Frühjahr habe ich mir die Streckenführung im Internet genauer angesehen und meine Etappen festgelegt. Irgendwann hatte ich mich auf die erste Juniwoche festgelegt und begann in der Himmelfahrtswoche mit der Buchung meiner Quartiere für die Wanderung.
Den Plan, mit der Bundesbahn anzureisen, verwarf ich aus preislichen Gründen sehr schnell. Allein mit dem Auto fahren kostet nicht mal die Hälfte. Die von mir gewählte Strecke beinhaltete die Dampferfahrt von Herrsching nach Dießen sowie ab der Wieskirche die Variante über Trauchgau war ca. 129 Kilometer lang (gemessen mit GARMIN eTrax 25). Ich hatte für mich fünf Etappen geplant und habe sie auch so abgewandert.
Von Berg am Starnberger See nach Hersching und Dießen
Am Sonntag, dem 02. Juni 2019, fuhr ich nach Erkheim, stellte das Auto bei Jörg unter und er fuhr mich nach Starnberg. Erstes Quartier war das “Gasthaus zur Sonne“, wo ich ein Einzelzimmer gebucht hatte. Hier gab es bereits ab 06:00 Uhr Frühstück (reichlich und gut, eigene Metzgerei), so dass ich gegen halb acht mit dem Bus nach Berg fahren konnte und dort am Montag, dem 03. Juni gegen 08:00 an der Votivkapelle meine Wanderung begann. Mein Rucksack wog zusätzliche 13 bis 14 Kilogramm und ich hatte meine Wanderstöcke dabei.
Der Weg verlief anfänglich entlang einer Straße (auf Asphalt) und nach ca. 2,5 auf dem Uferweg (Schotter) bis Starnberg. Die Uferpromenade, Wege und Straßen durch Starnberg waren natürlich asphaltiert. Außerhalb des Ortes verlief der Weg danach auf Wald- und Wiesenwegen, zuerst durch die Maisinger Schlucht, dann vorbei am Maisinger See, am Eßsee und Rothenfeld.
Irgendwann trat ich aus dem Wald heraus und sah das Kloster Andechs. Ich lief dann entlang der Stationen des Kreuzwegs und später hinauf zum Kloster, wo ich gegen 12:30 Uhr eintraf. Ab dem Parkplatz war natürlich die Ruhe vorbei. Zahlreiche Gläubige und Touristen liefen den Berg hinauf oder sahen schon in den Biergärten. Ich gönnte mir zwei Radler und einen Obatzda, besichtigte danach die Klosterkirche und die Außenanlagen und lief dann die 4,5 Kilometer durch das Kientalhinunter nach Hersching.
Um 15:30 Uhr nahm ich den Dampfer hinüber nach Dießen, genoss den "Fahrtwind" sowie die Aussicht auf die Berge mit der Zugspitze und die Antennen der Erdfunkstelle Raisting. In Dießen erkundigt ich mich nach dem Weg zu meinem Quartier bei Familie Müller, Heimgarten 10a. Da hatte ich ca. nochmal einen Kilometer Fußweg vor mir. Auch hier waren das Einzelzimmer sowie das Frühstück reichlich und gut. Abendessen gab es in der Pizzeria “La Gondola", wo jeder Gast freundlich begrüßt und bedient wird und das Preis-Leistungs-Verhältnis okay ist.
Von Hersching nach Paternzell
Am Dienstag, dem 04. Juni, gab es bei Familie Müller ab 07:30 Uhr ein reichliches Frühstück, das ich auf meinem Balkon zu mir nahm. Danach lief ich zum Münster von Dießen, das ich mir kurz anschaute. Gegen 08:30 Uhr startete ich meine heutige Wanderung. Über Wald- und Wiesenwege ging es zuerst durch einen Wald, vorbei an der Mechtildsquelle zur Bergkapelle. Danach verlief der Wanderweg wieder auf asphaltierten Landwirtschaftswegen bis zum Kloster Wessobrunn.
lmmer wieder boten sich herrliche Ausblicke: zurück auf den Ammersee und bis Kloster Andechs, auf die Antennen der Erdfunkstelle Raisting und voraus auf den Hohen Peißenberg und die Alpen.
Im Kloster Wessobrunn besichtigte ich die Kirche und gönnt mir danach zwei Radler im Gasthof "Zur Post". Danach verlief der König-Ludwig-Weg vorwiegend auf Waldwegen und nach Überquerung einer Straße durch den Paternzeller Zirbenwald und das dortige Wasserschutzgebiet. Angekommen in Paternzell fragte ich nach dem Weg und lief hinunter und entlang der Hauptstraße hin zum Gasthof “Zum Eibenwald", wo ich ein Einzelzimmer gebucht hatte.
Da es erst 13:30 Uhr war, gönnte ich mir eine Suppe und einen Radler. Nach dem Bezug meines Zimmers und dem Duschen gab es Kaffee und Kaiserschmarrn. Der Gasthof war den ganzen Nachmittag und Abend gut besucht und hat ein freundliches Personal sowie eine gute Küche.
Von Paternzell nach Rottenbuch
Ein gutes und reichliches Frühstück gab es hier am nächsten Morgen ab 07:00 Uhr. Vom Gasthof “Zum Eibenwald" ging es am Mittwoch, dem 05. Juni gegen 07:40 Uhr den ersten halben Kilometer über einige Stufen durch den Hangwald steil bergauf.
Auf der Höhe angekommen verlief der Weg anfänglich auf Wiesen- und Feldwegen über St. Leonhard hinüber nach Forst. Danach ging es auf asphaltierten Wegen, das Mittagsziel immer vor Augen, in Richtung Hoher Peißenberg. Der Belag wechselte wieder und verlief jetzt ein großes Stück durch einen Wald. Danach erreichte ich Hetten und es ging durch den Wald hinauf auf den Hohen Peißenberg. Oben sind die Wallfahrtskirche, der Deutsche Wetterdienst, die Gaststätte “Bayerischer Rigi" und man hat den besten Rundumblick in Bayern. Das Panorama war bei diesem Wetter phänomenal.
Nach einem Radler begann ich den Abstieg nach Hohenpeißenberg und folgte der Ausschilderung in Richtung Ammerschlucht. Dieser verlief jetzt ausschließlich auf Wald- und Forstwegen. Durch den Wald ging es hinab in das Tal der Ammer. Am Waldhaus Schnalz gabs noch einmal eine Quelle mit frischem Wasser, um die Trinkflaschen aufzufüllen. Dann verlief der Weg an der Ammer entlang bis zum Kalkofensteig, einer über die Ammer führende Holzbrücl‹e.
Der Weg nach Rottenbuch bog aber vor der Brücke scharf rechts ab und führte auf und ab gehend, etwa 50 Meter über der Ammer durch den Wald. Er ist mit einem Schild “Nur festes Schuhwerk" gekennzeichnet und die sind auch notwendig, denn man braucht eine gute Stunde über Wurzeln, Stege, Leitern, Brücken und jede Menge Schlamm, bis der “Wildschützenpafd" am Ende aus der Schlucht steil ansteigend herausführte.
Von dort sind es noch etwa 3 Kilometer bis Rottenbuch, die man zuerst auf einem Schotterweg, dann auf einem Waldweg zurücklegt. Herausbekommen bin ich am Kloster Rottenbuch. und nach 200 Metern ging es durch das Tor, neben dem sich mein Quartier, das “Kunstcafé am Tor’ befand.
Das Haus erwies sich als sehr gute Unterkunft (Doppelzimmer zur Einzelnutzung) mit nettem Personal und kleiner, aber feiner Speisekarte. Das Café war in den letzten Jahren jeweils von Bett & Bike ausgezeichnet und 2018 vom Feinschmecker als eines der besten Cafés Deutschlands. Also musste ich den hauseigenen Biergarten nicht mehr verlassen. Es gab Kaffee und Kuchen, später einen super leckeren Burger und bayerisches Bier.
Von Rottenbuch nach Trauchgau
Frühstück gab es am Donnerstag, dem 06. Juni, im Café erst um 08:00 Uhr, aber es war wie alles andere sehr gut. Erster Anlaufpunkt war die ‘Wallfahrtskirche zum Gegeißelten Heiland auf der Wies”, die Wieskirche. Der Weg dahin veflief zu großen Teil auf asphaltierten, aber auch Waldwegen. In Wildsteig kommt man vorbei an der Pfarrkirche St. Jakob. Davor befindet sich eine sehenswerte Lourdes- Grotte, die aber bei meinem Vorbeikommen gerade rekonstruiert wurde.
Nach Verlassen des Ortes gab es am Weg eine neue “König-Ludwig-Weg"-Bank zum Rasten. Von hier aus bis zur Wieskirche legte ich den Weg gemeinsam mit einer Pilgerin zurück. Gegen 11:30 Uhr trafen wir an der Wieskirche ein, die seit 1983 UNESCO-Weltkulturerbe ist ich besichtigte zuerst die Kirche, in der aber zu diesem Zeitpunkt gerade eine Führung stattfand. Nach ein paar Fotos lief ich hinunter zum “Gasthof Moser" und gönnte mir einen Hackbraten mit Kartoffelsalat und wieder einen Radler.
Anschließend schoss ich noch ein paar Fotos in der Kirche und setzte danach meinen Weg fort. Der verlief fast komplett auf asphaltierten Wegen. Auf diesem Teil des Weges waren auch viele E-Biker unterwegs, echte Radfahrer trifft man nur noch selten. Nach etwa 5 Kilometern bog der Wanderweg links ab und verlief nun bis Trauchgau auf Schotter- und Forstwegen.
In der Ortsmitte am Kirchplatz fand ich auch mein Quartier, das Gasthaus “Zum Hirsch". Auch hier gab's ein Doppelzimmer zur Einzelnutzung, freundliche Wirtsleute und ein leckerer Frühstück. Von allen gewählten Quartieren war hier das Preis-Leistungs-Verhältnis am Besten. Leider hatte das Haus am Donnerstag und Freitag Ruhetag, so dass ich zum Abendessen in ein Gasthaus gehen musste, das nur 200 Meter entfernt war. Von 17:00 Uhr bis Mitternacht regnete es leicht.
Von Trauchgau nach Füssen
Am Freitag, dem 07. Juni, startete ich nach dem Frühstück gegen 08:15 Uhr zur letzten Etappe. Bis kurz vor Bayerniderhofen verlief der Weg erst entlang der Halblech und dann auf Radwegen immer auf die Allgäuer Alpen zulaufend. Hier bog er rechts ab und verlief entlang der Straße über Berghof bis zum Kühmoossee in westlicher Richtung. Dort wandte er sich wieder gen Süden und verlief jetzt weiter auf asphaltierten Wegen vorbei am Hegratsrieder See und zwischen dem Forggensee und Bannwaldsee hindurch.
Da hier der Radweg und der Wanderweg eins waren und der Radverkehr stetig zunahm, nahm ich einen anderen Weg in Richtung Schwangau, der wieder auf Wald- und Wiesenwegen verlief. Am Weiler Mühlberg traf ich wieder auf den “König-Ludwig-Weg”, der hier die BI7 quert.
Jetzt ging es vorbei an der Kirche St. Coloman und der Tegelbergbahn, vorbei an der Pöllatschlucht und unterhalb von Schloss Neuschwanstein hinüber zum Parkplatz und Schloss Hohenschwangau. Hier war es vorbei mit der Ruhe beim Wandern, ich war zurück in der Zivilisation. Ich gönnte mir einen Radler und einen Wurstsalat, lief dann zum A|psee, schoss noch ein paar Fotos und begab mich dann auf den Weg nach Füssen.
Da der Waldweg vorbei am Schwansee gesperrt war, musste ich auf dem Radweg entlang der Straße bleiben. Ich überquerte den Lech und lief vorbei am Pulverturm in die Altstadt Füssens. Dann wanderte ich hinüber nach Bad Faulenbach, wo ich im "Ferienhotel Berger" mein letztes Quartier gebucht hatte. Das Einzelzimmer und das Frühstück waren okay, zum Essen musste ich in die Altstadt gehen. Am Samstag, dem 08. Juni, holte mich Jörg gegen 09:30 Uhr ab, wir fuhren zurück nach Erkheim, wo mein Auto stand und ich meine Rückfahrt nach Eisenach antrat.
Fazit:
Der König-Ludwig-Weg ist eine Wanderweg ohne große Höhenunterschiede (nur 200 Meter zwischen Starnberger See und Füssen), den (fast) jeder bewältigen kann. Er ist gut ausgeschildert, so dass ich mein Wandernavi fast gar nicht benötigt habe. Und wenn man länger Zeit kein Wegzeichen sieht, einfach weiter gehen. Es kommt wieder eins.


Ich hatte in meiner Wanderwoche Glück, es war trocken, allerdings schon etwas zu warm. Aber besser, als anderthalb Wochen zuvor, wo es tagelang nur regnete (was in der Ammerschlucht noch zu sehen war). Es sind nicht viele so verrückt und gehen Wandern mit Gepäck. Man wird angeschaut wie ein Alien oder für einen Pilger gehalten. Für mich war es eine schöne Woche, die ich fast allein verbracht habe. Die Wanderung hat mich nicht verändert, ich bin immer noch derselbe. Und bayerisches Essen und Bier schmecken ausgezeichnet.