Von Gmund am Tegernsee nach
Sterzing in Südtirol
Jun/Jul 2020
2014 haben sich 4 große Tourismusregionen zusammengetan und bieten seither eine neue und einheitlich beschilderte Alpenüberquerungs-Route an. Dank ihres einfachen bis mittleren Schwierigkeitsgrads kann sie jeder geübte Wanderer problemlos bewältigen. Sie verläuft auf leichten bis mittelschweren Wegen durch grandiose und abwechslungsreiche Landschaften.
Einige Teilstrecken werden mit Bus, Zug, Schiff oder Seilbahn zurückgelegt. Die Alpenüberquerung führt vom idyllischen Tegernsee am bayerischen Alpenrand zunächst zum Achensee, auch „Tiroler Fjord“ genannt. Von dort geht es weiter in das Zillertal im Herzen der Alpen und bis nach Sterzing, der nördlichsten Stadt Italiens.
Diese Route verspricht eine Woche Genusswandern vom feinsten — von der traditionellen bayerischen Kultur über die sprichwörtliche Tiroler Gastlichkeit bis zum berühmten Südtiroler Wein. Es gibt im Internet zahlreiche, organisierte Angebote mit Gepäcktransport. Aber selbst organisieren macht mehr Spaß und Rucksack tragen ist ehrlicher.
Wir hatten folgende Etappen geplant:
1. Etappe Gmund am Tegernsee — Kreuth (20 km)
2. Etappe Kreuth — Wildbad Kreuth — Achenkirch (20 km)
3. Etappe Achenkirch — Maurach am Achensee — Fügen (18 km)
4. Etappe Fügen — Spieljoch — Hochfügen (15 km)
5. Etappe Hochfügen — Melchboden — Mayrhofen (13 km)
6. Etappe Mayrhofen — Schlegeis — St. Jakob (13 km)
7. Etappe St. Jakob — Sterzing (20 km)
Geplant war diese Überquerung schon länger, jetzt war es endlich soweit, obwohl uns "Corona" fast einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Vom 28. Juni bis 04. Juli 2020 überquerten wir die Alpen von Gmund am Tegernsee bis nach Sterzing in Südtirol/ltalien. Von mir selbst vorbereitet und organisiert, natürlich mit Rucksäcken ohne Gepäcktransport. Mit von der Partie waren Uthart und Ferdi. Auf unserer Wanderung mussten wir die unterschiedlichsten Corona-Regeln beachten (Thüringen, Bayern, Osterreich und Italien) und haben dabei eine Menge freundliche und aufmerksame Menschen kennengelernt, aber auch einige dumme und ignorante. Der Weg ist, bis auf wenige Ausnahmen (bei Rottach-Egern und im Pfitschtal) durchgehend gut mit einem "Ü" gekennzeichnet. Wir hatten außerdem eine Kompass-Wanderkarte, die uns gute Dienste leistete und alle notwendigen Informationen enthielt.



Ein paar Hinweise für Selbstorganisierer
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Länge: 110 bis 120 Kilometer (reine Fußstrecke, je nach Einsatz von Bustransport), verteilt auf sieben Tagesetappen
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Schwierigkeit: etappenweise mittelschwere Bergwanderung. Ausreichend Kondition für bis zu sechs Stunden Gehzeit, Trittsicherheit und ein Grundmaß an Schwindelfreiheit sind notwendig. Außerdem sollte man die Wettersituation im Hochgebirge einschätzen können.
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Empfohlene Jahreszeit: Mitte Juni bis Anfang Oktober (Hinweis: viele Einkehrmöglichkeiten öffnen erst Mitte Juni ihre Pforten und auch der Schnee ist dann größtenteils weg)
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Karte: Kompasskarte 2556 — Die Alpenüberquerung (im handlichen Leporello-Format). Die Strecke ist bestens beschildert und auch allein sehr gut gehbar. In der Karte sind Bushaltestellen und Einkehrmöglichkeiten eingezeichnet, sie enthält außerdem Tipps zu Sehenswürdigkeiten, Stadtpläne und die Etappenbeschreibungen.
Anreise nach Bayern
Wir starteten am 27. Juni gegen 10:00 Uhr mit dem Auto nach Bayern und fuhren über die B19 zur A71, wechselten in Suhl zur A73 und hinter Nürnberg auf die A9. Bis auf den zähfließenden Verkehr bei Führt und Nürnberg kamen wir gut voran und so waren wir gegen 15:30 Uhr in Gmund am “Gasthof am Gasteig". Nachdem wir unser Zimmer bezogen und im Biergarten einen Kaffee und ein erstes Bier getrunken hatten, erkundeten wir den Ort und liefen hinunter zum See. So konnten wir auch gleich feststellen, dass der Mangfall- Steg wegen baulicher Mängel gesperrt ist und wir uns einen anderen Weg als Start auswählen mussten. Zimmer, Verpflegung und Personal im Gasthof waren super. Außerdem konnten wir unser Auto für die Zeit der Wanderung auf dem Parkplatz am Gasthof stehen lassen.
Gmund am Tegernsee - Kreuth
Nach dem Frühstück starteten wir am Sonntag, dem 28. Juni 2020 um 08:00 Uhr, zu unserer 1. Etappe. Unsere Rucksäcke wogen einschließlich der Trinkflaschen zwischen 10 und 12 Kilo. Der Weg verlief den ersten halben Kilometer am See, querte die Straße und stieg dann an hinauf zum Panoramaweg, der etwa zwischen 50 bis 100 Metern oberhalb durch den Wald verläuft und einige tolle Ausblicke auf den See bietet. In Tegernsee kommt man wieder herunter, durchquert den Ort und landet natürlich im Brauhaus bei Bier und Saibling.
Nach der Einkehr verlief der Weg weiter am See bis zum Überführer, einer Ruderfähre, die zwischen dem Strandbad Point und Rottach-Egern verkehrt. Leider durfte der Überführer uns nicht übersetzen, da trotz sonnigen Wetter mit leichter Bewölkung eine Unwetterwarnung existierte. Also liefen wir auf der Alternativroute weiter um den See herum. Ab dem Rottach-Dammweg bis zur Wallbergbahn ist die Wegführung teilweise unverständlich bzw. fehlten hier einige Wegmarkierungen, so dass wir einige Umwege liefen. Deshalb entschlossen wir uns an der Wallbergbahn nach 18,5 Kilometern zu Fuß mit dem Bus hinunter nach Kreuth zu fahren.
Unser Quartier, das "Batznhäusl" war leicht zu finden. Auch hier gab es einen Biergarten und Zimmer, Verpflegung und Personal waren super. Am Abend begann es allerdings stark zu regnen und ließ erst am Mittag des nächsten Tages nach.
Kreuth — Wildbad Kreuth — Achenkirch
Pünktlich am Montag um 07.30 Uhr saßen wir am Frühstückstisch, obwohl es draußen nach wie vor in Strömen regnete. Außerdem hingen die Wolken sehr tief, so dass in den Blaubergen auch wenig bis nix zu sehen war. Wir warteten längere Zeit auf Besserung und entschlossen uns dann, mit dem Bergsteigerbus (kostenlos) über die Grenze bis Achenwald zu fahren. Hier angekommen, warteten wir noch kurze Zeit und starteten dann unserer Wanderung mit der 2. Etappe zum Achensee. Da der Regen mittlerweile nachgelassen hatte, zogen wir nur den Rucksackschutz über und Anoraks an.
Aufgrund der Busfahrt mussten wir so nur ca. 6,5 Kilometer wandern und wurden auch nur mäßig nass. Die Pension “Lechnerhof" in Achenkirch war leicht zu finden (Ankunft ca. 13:00 Uhr) und der “Fischerwirt" war eine sehr empfehlenswerte Einkehr mit guter Küche und angenehmen Preisen, wo wir uns am Nachmittag eine Kaffeepause und am Abend eine weitere Einkehr gönnten. Der Nachmittag war noch wechselhaft zwischen Sonne und Regenschauern, der Abend war nur noch sonnig, so dass wir im Biergarten sitzen konnten. Zimmer und Frühstück im “Lechnerhof" waren sehr gut und die Wirtin sehr freundlich und zuvorkommend.
Achenkirch — Maurach am Achensee
— Fügen
Die 3. Etappe am 30. Juni 2020 war streckenmäßig die Längste, aber sehr abwechslungsreich. Der Weg verlief auf dem “Mariensteig” entlang des Achensees. Er erforderte einige Trittsicherheit, war aber nicht gefährlich. Auf der Hälfte der Etappe lag die “Gaisalm”, die natürlich am Dienstag Ruhetag hatte, so dass wir uns nicht sehr lange aufhielten. Bis Pertisau verlief der Weg weiter oberhalb oder am See und traf kurz vor dem Ort auf die Uferpromenade. Bis zum Dampfer waren wir ca. 9 Kilometer gelaufen. Von hier aus fuhren wir mit dem Schiff in ca. 15 Minuten hinüber nach Seespitz. Die Achenseebahn fuhr zu dieser Zeit nicht und so wanderten wir die etwa 2 Kilometer hinüber nach Maurach bis zur Bushaltestelle an der Rofan-Seilbahn. Da bis zur Abfahrt noch reichlich Zeit war, gönnten wir uns im Café am Kreisverkehr noch Radler und Bier.
Um 13:20 Uhr brachte uns der Schienenersatzverkehr-Bus hinunter nach Jenbach, wo uns gegen 14:10 Uhr die Zillertalbahn weiter nach Fügen transportierte. Dort liefen wir zuerst zur Tourist-Info und dann den Berg hinauf in Richtung Spieljochbahn zum “Gästehaus Burgi”. Insgesamt hatten wir an diesem Tag ca. 12 km zu Fuß zurückgelegt. Nach Dusche uns kurzer Erholung könnten wir uns im Café an der Spieljochbahn einige Erfrischungen und danach im “Pizza Pub” Pizza oder Nudellgerichte und natürlich ein Bier bzw. Rotwein. Das letzte Bier des Tages gab es auf dem Balkon. Auch im “Gästehaus Burgi” waren Zimmer, Frühstück und Service super und die Wirtin eine Seele von Mensch.
Fügen — Spieljoch — Hochfügen
Obwohl wir uns am 01. Juli 2020 Zeit lassen konnten, da die Spieljochbahn erst ab 09:00 Uhr fährt, saßen wir um 07:30 Uhr am Frühstückstisch und genossen das, was uns aufgetischt wurde. An der Bergbahn waren wir dann die Ersten, da es nur ca. 300 Meter bis dorthin waren. Oben verlief der Weg der 4. Etappe erst hinauf zum Gipfelkreuz des Spieljoch, dann weiter in Richtung Onkeljoch als Kammweg bis zu einem breiteren Fahrweg, der in Serpentinen hinab zur Gartalm führte. Uthart hatte bei einer kurzen Rast seine Uhr verloren und musste gut einen halben Kilometer wieder den Berg hinauf laufen, um sie zu holen.
Der Gartalm hatte 2006 nachweislich der "Problembär Bruno” einen Besuch abgestattet. Wir gönnten uns einen Radler und liefen dann weiter in Richtung Loassattel. In Richtung Hochfügen standen dunkle Wolken und gegen 13:00 Uhr kamen die ersten Tropfen. Wir zogen den Rucksackregenschutz über und wanderten den ansteigenden Weg in Richtung Maschentalalm. Nach der Alm wurde aus dem Fahrweg ein schmaler Wald- und Wiesenweg, der durch Alpenrosenbüsche führte.
Hier donnerte es das erste Mal und wir beeilten uns, um die Hochfläche zu verlassen und in den Wald bzw. nach unten zu gelangen. Nach ca. 2 km traf der schmale Waldweg wieder auf eine Fahrstraße, die wiederum in Serpentinen über die Lamarkalm hinunter nach Hochfügen zu unserem Tagesziel "Berghotel” führte. Heute hatten wir für die 4. Etappe immerhin ca. 16 Kilometer zurückgelegt. Nach Bezug unserer Juniorsuite, duschen und Wanderkleidung aufhängen zum Trocknen gab es Abendessen im Restaurant und Bier bzw. Rotwein vor dem Schlafengehen. Auch hier war die Verpflegung vom Feinsten.
Hochfügen — Melchboden — Mayrhofen
Auf der 5. Etappe am Donnerstag, dem 02.07.2020, sollte es bis Mayrhofen gehen. Wir frühstückten um 07.30 Uhr und waren gegen 08:15 Uhr die Ersten, die die Tour in Angriff nahmen. Vorbei an ein paar Skiliften führte der Weg ansteigend entlang des Baches vorbei an der Pfundsalm bis zum Talende. Danach ging es links ab bergauf, nicht mehr auf der Fahrstraße, sondern auf einem schmalen Pfad hinauf zum Sidanjoch auf 2.127 m. Oben angekommen, war die Rastkogelhütte (2.224 m) schon zu sehen. Hier rasteten wir kurz und tranken eine der hier selbst gemachten Limonaden.
Die meisten Wanderer und Gruppen, die unterwegs waren, nahmen von hier aus dem einfachen, leicht abwärtsführenden Weg zum Melchboden. Wir folgten der Tourbeschreibung. Der Weg ging 500 m nach der Hütte links ab, führte steil bergan hinauf zum Kammweg und verlief dann oben über den Rauhenkopf (2.268 m) zum Arbiskopßopf (2.133 m). Der Abstieg zum Melchboden (2.000 m) war nicht sehr lang und dort gab es wieder Kaffee, Bier, Radler usw. Wir hatten an diesem Tag zu Fuß ca. 13 km zurückgelegt, sparten uns aber den Abstieg ins Tal und fuhren mit dem Bus nach Hippach und von dort weiter mit der Zillertalbahn nach Mayrhofen.
Zum Hot “Garni Rieser' war es dann noch ca. ein Kilometer. Unterwegs kaufte Ferdi eine neue Sonnenbrille, da er seine unterwegs verloren hatte. Der Ablauf in der Pension war wie jeden Tag derselbe: Zimmer beziehen, duschen, umziehen und danach einen Platz suchen, wo es etwas zu Essen und Trinken gibt. Wir kehrten im “Berg & Tal" ein, konnten aber wegen eines Gewitters dort nicht ewig sitzen bleiben. Also ließen wir den Abend im “Gasthof Brücke" ausklingen.
Mayrhofen — Schlegeisspeicher
— St. Jakob
Der Regen hatte aufgehört, aber die Wolken hingen tief und alles war noch nass. Am Freitag, dem 03.07.2020, nach dem Frühstück um 07:00 Uhr liefen wir die 50 Meter bis zur Bushaltestelle und fuhren um 08:00 Uhr hinauf zum Schlegeisspeicher, wo die Wanderung mit der 6. Etappe weiter ging. Wir folgten dem Zamser Grund und der Ausschilderung zum Pfitscher Joch. Der Weg verlief neben dem Bach und war leicht ansteigend. Über einen ersten, kurzen Anstieg ging es zur Lavitz Alm, einer Alm in Österreich, aber mit südtiroler Weiderechten. Aufgrund des kühlen Wetters gab's an diesem Tag auf der Alm mal einen warmen Tee.
Der Weitermarsch erforderte einen Umweg um den Hochtalboden, da der starke Regen des letzten Tages die Fahrstraße weggespült hatte und ohne nasse Füße nicht passierbar war. Nachdem wir den Talboden umlaufen hatten, begann der Aufstieg zum Joch. Oben angekommen stand dann der Grenzstein mit den Aufschriften Österreich auf der einen und Italia auf der anderen Seite. Außerdem wurde man mit einem größeren Schild in Südtirol begrüßt. Bis zum Pfitscher Jochhaus (2.276 m) waren es noch etwa 300 Meter und in Italien gönnte ich mir natürlich Cappuccino und Spaghetti Bolognese.
Nach der Rast begann der Abstieg ins Pfitschtal. Über ein kleines Restschneefeld führte uns der Weg zuerst ins Almgelände. Danach wurde es steiler, denn wir mussten ca. 700 Höhenmeter nach unten zum Talboden des Pfitschtals. Ab den ersten Häusern im Ortsteil Stein war es dann eine schöner Wiesenweg, der uns nach St. Jakob zum “Gasthof Neuwirt" brachte, den wir gegen 15:00 Uhr erreichten. An diesem Tag waren es gut 20 Kilometer, die wir zurückgelegt haben. Mittlerweile schien die Sonne, nur oben am Joch hingen noch Wolken. Nach der Grundreinigung gabs einen Dorfrundgang, einen Kaffee beim Bäcker und am Ende des Tages Abendessen und 2 Liter Rotwein im “Neuwirt".
St. Jakob - Sterzing
Die Kirchenglocken weckten uns um 06:30 Uhr und nach dem Frühstück starteten wir am Samstag, dem 04. Juli 2020 um 08:30 Uhr zu unserer letzten Etappe. Allerdings ist der letzte Teil der Alpenüberquerung teilweise schlecht gekennzeichnet und etwas asphaltlastig. Wir irrten etwas in der Gegend herum, Ferdi schwoll auf dem Asphalt das Knie und er fuhr die letzten 13 Kilometer mit dem Bus. Aber Uthart und ich liefen unbeirrt das Tal abwärts in Richtung Sterzing. Ich erreichte nach 22,5 km unser Ziel, das Hot “Sonnenheim™ gegen 12:45 Uhr, Uthart ließ sich Zeit und kam gegen 15:00 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon geduscht, einen Radler getrunken und unternahm ein Rundgang durch die Altstadt von Sterzing.
Nach meiner Rückkehr tranken wir einen Kaffee und Uthart besuchte die Altstadt. Das Abendessen gab's bei untergehender Sonne auf der Terrasse und zum Tagesabschluss die 2. Halbzeit des Pokalendspiels zwischen Bayern und Bayer. Wir haben es geschafft, zwar mit einigen Erleichterungen, aber ohne Verluste. Es ist eine tolle Alpenüberquerung, die jeder schaffen kann. Und wer sein Gepäck nicht selbst tragen will, kann es ja organisiert mit Wanderführer und Gepäcktransport versuchen. Die Ausblicke, die Erlebnisse und die Abwechslung der Strecke sowie der Beförderungsmittel sind einfach grandios. Insgesamt sind wir ca. 110 km zu Fuß unterwegs gewesen. Die restlichen Kilometer haben wir mit Bus, Dampfer, Zillertalbahn und Seilbahn zurückgelegt.