Von der Wieskirche zum Schloss Linderhof
Jun 2021
Von der Wieskirche bei Steingaden bis zum Schloss Linderhof führt der Meditationsweg Ammergauer Alpen vorbei an Kirchen, Kapellen, kulturellen Sehenswürdigkeiten und Naturschönheiten. Auf rund 85 Kilometern schlängelt er sich durch das hügelige Voralpenland der Ammergauer Alpen. Als Anreiz zum Meditieren und lnnehalten sollen die 15 Stationen des Meditationswegs dienen, die mit entsprechenden Informationstafeln die Gedanken anregen und den Wanderer auf Reisen schicken sollen. Er kann in Einzeletappen oder als Mehrtagestour absolviert werden.
Ich habe den Weg, mit kleinen Änderungen, in vier Tagen vom 20. bis 23. Juni 2021 absolviert. Für mich stand nicht die Meditation im Vordergrund, sondern eine Wanderung nach Corona durch eine schöne, sehenswerte Landschaft und der Besuch von Biergärten.


Die erste Etappe von der Wieskirche bis Rottenbuch verläuft auf der Strecke des König-Ludwig-Wegs und ist auf diesem Teil auch Pilgerweg (wer will bis Campostella), allerdings in entgegengesetzter Richtung. Die Kennzeichnung als Meditationsweg ist auf diesem Teil sehr dürftig (von der Ammerbrücke hinter Rottenbuch bis Schönberg gab es nicht ein Wegkennzeichen), was sich auf dem Zweiten Teil bis Bad Bayersoien noch fortsetzt. Da ich den König-Ludwig-Weg vor zwei Jahren absolviert habe, kannte ich den Streckenverlauf, habe mich also nicht verlaufen. Aber einem Wanderer, der zum ersten Mal in dieser Gegend unterwegs ist, könnte das passieren.
Die zweite Etappe von Bad Bayersoien bis Bad Kohlgrub ist teilweise ebenfalls schlecht gekennzeichnet, vor allen an Abzweigungen und Wegkreuzungen. Beide Etappen sind insgesamt sehr asphaltlastig, was bei einer Tagesetappe von 20 Kilometern schon in die Füße und Waden geht. Die dritte und vierte Etappe verliefen hauptsächlich auf Wald-, Forst- und Landwirtschaftswegen, die sich gut laufen ließen. Allerdings gab es auch hier ein paar Abschnitte, die man bei Regenwetter nicht gehen möchte (steiler Abstieg vom Stierkopf durch den Hochwald in Richtung Oberammergau) oder die schlecht gekennzeichnet waren.
Viel blöder war, jeden zweiten Tag einen neuen, aktuellen Corona-Test in den Beherbergungsbetrieben vorlegen zu müssen und in den Gebäuden oder öffentlichen Verkehrsmitteln Maske tragen zu müssen.

Etappe von der Wieskirch über Rottenbuch nach Bad Bayersoien
Am Sonntag, dem 20.06.2021, fuhr ich nach dem Frühstück mit dem Bus zur Wieskirche, besichtigte sie nochmals und startete dann meine Wanderung. Es war bewölkt, ab und zu schaute die Sonne durch die Wolken und es war schwül. Ich habe ganz schön geschwitzt. Erstes Zwischenziel war Wildsteig mit den beiden ersten Stationen des Meditationswegs, der Dreifaltigkeitskapelle und der Pfarrkirche St. Jakob. An der ebenfalls dort befindlichen Lourdesgrotte von 1908 vorbei, eine der bedeutendsten Grottenanlagen Süddeutschlands, die seit mehr als zwei Jahren rekonstruiert wird und nicht zu besichtigen ist, verlief der Weg weiter in Richtung Rottenbuch.
Nach der Überquerung der Landstraße geht es auf der anderen Seite über Landwirtschafts- und Forstwege hinüber nach Rottenbuch. Ich kehrte im Café am Tor ein, da ich vor zwei Jahren hier schon einmal übernachtet hatte und die Qualität des Hauses kannte. Hier gabs eine Mittagsrast mit Bier und Wurstsalat im Biergarten. Anschließend führte der Weg hinter dem Kloster Rottenbuch hinunter zur Ammer und von der dortigen Ammermühle wieder langsam ansteigend hinauf nach Schönberg.
Vorbei an der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt und einer weiteren kleineren Kapelle führt der Weg dann abwärts über Weidegebiete hinüber nach Bad Bayersoien. Die Gesamte Wanderstrecke des Tages war ca. 19,5 Kilometer lang. Nach dem Duschen fuhr ich mein Auto noch nach Oberammergau und mit dem Bus zurück. Anschließend ging es in den Biergarten beim Metzgerwirt.

Etappe von Bad Bayersoien über Scheibum und Saulgrub nach
Bad Kohlgrub
Montag nach dem Frühstück lief ich los in Richtung Soier See, schaute dann erstmal in den Wanderführer und änderte danach die Richtung, um auch dorthin zu kommen, wo ich hinwollte. Der Weg führte aus Bayersoien hinaus in Richtung Ammerschlucht, dort hinunter zur Ammer und über die dortige Brücke hinüber zur Soier Mühle. Logischer Weise führte der Weg auf der anderen Seite wieder bergauf hinauf nach Kreuth.
Von dort aus verlief der Weg oberhalb der Ammer zum Großteil durch Wald, bis es wieder bergab, erst zum Kraftwerk Kammerl (ältesten noch in Betrieb befindlichen Bahnkraftwerk für die Erzeugung von Einphasen-Wechselstrom niedriger FSequenz) und danach zur Scheibum, dem Felsdurchbruch der Ammer. Ich lief zur Kiesbank an der Ammer, legte den Rucksack ab und zog meine Schuhe aus, um etwas im kalten Wasser herumzulaufen.
Danach verlief der Weg wieder ansteigend, zuerst bis zum Gutshof Acheleschwaig, wo ich mir im Biergarten eine Spargelsuppe und einen Radler gönnte, und danach weiter bis zur Fatima Kapelle oberhalb von Saulgrub. Von hier aus bot sich eine gute Rundumsicht auf das Hörnle, Saulgrub, die Ammergauer Alpen und auch hinüber bis zum Hohenpeißenberg.
Nachdem ich Saulgrub durchquert und die Bundesstraße überquert hatte verlief der restliche Weg nach Bad Kohlgrub durch das ehemalige Torfabbaugebiet, in dem heute noch Moor für den Kurbetrieb gewonnen wird. Vorbei am Rochusfeld und der Rochuskapelle gelangte ich hinunter nach Bad Kohlgrub und fand auch schnell meine Unterkunft, den Kohlerhof. Die Strecke war an diesem Tag 19 Kilometer lang.
Nach dem Duschen lief ich hinüber in den Ort, in dem der Kurbetrieb wegen Corona immer noch am Boden lag und auch fast alle Gasthäuser geschlossen waren. Also gönnte ich mir Kaffee und Kuchen auf der Bank vor dem Bäckerladen und ließ mir dann bei EDEKA zwei Semmeln schmieren, die ich am Abend mit einem kühlen Bier auf meinem Balkon im Kohlerhof als Abendbrot verzehrte. Die Unwetter des Abends, die irgendwo bei Ammersee oder Starnberger See niedergingen, konnte ich vom Balkon aus als helles Wetterleuchten beobachten (vor Ort gab keinen Regen).

Etappe von Bad Kohlgrub übers Hörnle
nach Oberammergau
Dies war die Etappe, bei der ich mich am wenigsten an die Wegvorgaben gehalten habe. Der Himmel war blau, die Sonne schien und die Luft war durch die Gewitter des Vorabends gereinigt, bei angenehmen Temperaturen. Der Meditationsweg verläuft von Bad Kohlgrub über Wumannsau und Unterammergau vorbei an einer Kapelle, einer Grotte und einer Wallfahrtskirche hinauf aufs Hörnle, ist aber sonst sehr langweilig. Ich startete also am Dienstag nach dem Frühstück im Kohlerhof, lief hinauf zur Hoernlebahn und fuhr von dort aus als erster Fahrgast mit dem Sessellift hinauf auf den Zeitberg.
Nachdem ich den Ausblick oberhalb der Bergstation genossen hatte, lief ich weiter, ließ das Vordere Hörnle links und das Mittlere Hörnle rechts liegen und stieg hinauf zum Hinteren Hörnle (1.548 m). Hier bot sich eine tolle Rundumlicht vom Wettersteingebirge mit der Zugspitze, über die Ammergauer Alpen und dem Alpenvorland von der Wieskirche, den Hohenpeißenberg bis hin zum Starnberger See und Staffelsee bei Murnau.
Vom Hinteren Hörnle ging es weiter hinüber zum Stierkopf (1.533 m) und danach durch den Wald steil bergab. Diesen Weg möchte man bei Regen nicht gehen, da er mit unzähligen Wurzeln gespickt und bei schlechtem Wetter wahrscheinlich unberechenbar ist. Hat man dann den ersten Forstweg erreicht, verläuft der Weg immer weiter stetig nach unten durch den Wald. Zum Schluss wurde es noch einmal ein steiler, ziemlich stark ausgewaschener Hohlweg, der am Gasthaus Romanshöhe (leider Montag und Dienstag Ruhetag) den Wald verlässt.
Von da an verläuft der Weg wieder asphaltiert bis Oberammergau, wo ich gegen Mittag bereits eintraf und gleich im Hotel Alte Post im Zentrum einkehrte. Es gab Radler und Fleischpflanzerl mit Pfifferlingen und Knödel. Danach lief ich noch in Richtung Talstation der Laber-Bergbahn, wo sich mein Quartier für die nächsten beiden Nächte befand, die Pension Wolf. Bis hierher hatte ich 17 Kilometer zurückgelegt, aber der Tag war noch nicht zu Ende (Corona-Test).

Etappe von Oberammergau nach Schloss Linderhof und Kloster Ettal
Die letzte Etappe startete ich nach dem Frühstück gegen 08:30 Uhr an der Ammerbrücke in Oberammergau. Am Vorabend hatte es gewittert und in der Nacht noch etwas geregnet, so dass die Luft rein war, aber die Wolken noch schwer in den Bergen und über den Tälern lagen. Auch diese Etappe habe ich wieder meinen Bedürfnissen angepasst und den Wegverlauf entsprechend geändert. Ich lief an der Ammer entlang zuerst in Richtung Döttenbichl, von dort aus zu den Quelltöpfen der Ammer und danach weiter entlang eines Wasserlaufs der Kleinen Ammer in Richtung Ettaler Mühle.
Etwa 10 Minuten vor Erreichen der Mühle (hier traf ich auch einmal auf ca. 10 Wanderer), bog ich rechts ab und lief auf dem Waldweg auf der linken Talseite in Richtung Graswang. Dieser Weg führte mich zuerst zur Gertrudiskapelle und kurze Zeit später nach Graswang. Nach der Durchquerung des Ortes verlief der Weg weiter auf der rechten Talseite, vorbei am Gut Dinkelschwaig und seinem mobilen Sägewerk, wo ich einige Zeit beim Sägen der Baumstämme zuschaute.
Von hier aus wanderte ich durch ein riesiges, gut 5 Kilometer langes Weidegebiet auf einem schönen Forstweg. Am Ende, nachdem ich das Weidegebiet durch ein entsprechendes Gatter wieder verlassen hatte, begann der Schloss- und Landschaftspark Linderhof. Nach ca. 2 Kilometern sah ich zwischen Bäumen den orientalischen Pavillon, bevor ich die Schlossanlage erreichte. Ich schaute mir alles von außen an, schoss ein paar schöne Fotos und gönnte mir dann im Restaurant/Laden neben der Kasse eine Brotzeit. Es gab Radler und eine Leberkäsesemmel.
Um 12:50 Uhr führ ich mit dem Bus bis zur Ettaler Mühle und wanderte von dort hinüber zum Ort und Kloster Ettal, wo ich die Basilika besichtigte. Danach fuhr ich mit dem Bus weiter bis Oberammergau/Hexenklause und lief von dort aus hinauf zu meinem Quartier. Bis dorthin war ich wieder 19 Kilometer gelaufen. Am Abend ging es deshalb mit dem Auto ins Zentrum, um zu Abend zu essen.
Insgesamt war es eine schöne Wanderung durch eine schöne Landschaft und vorbei an wunderschönen Bauwerken und beschaulichen Orten. Ich hatte mit dem Wetter Glück, es war nicht kalt oder zu warm und am Tage war es immer trocken. Die Gewitter fanden nachts statt.