Auf dem E5 von Oberstdorf nach Meran

Jul 1990

Heute existieren mehrere Strecken über die Alpen. Sie führen meist über schwierige Bergwege und sind konditionell sehr anspruchsvoll. Für viele Wanderer ist die Überquerung des Alpenbogens ein lange gehegter Traum. Von Tal zu Tal und von Gipfel zu Gipfel geht es nicht nur beim Klassiker der Weitwanderwege von München nach Venedig, sondern auch beim E5. Der Europäische Fernwanderweg E5 führt als Teil des Europäischen Wanderwegenetzes von der Pointe du Raz bei Brest quer durch Frankreich, Süddeutschland und Osterreich nach Venedig an die norditalienische Adria.

Einer der schönsten, aber auch läuferisch anspruchsvollsten Teile dieses Weges sind die Etappen, die von Oberstdorf aus in südlicher Richtung über die Alpen nach Bozen führen. Der Reiz dieses Abschnittes des E5 liegt im Wechsel der Landschaften und Vegetationszonen. Die heute von einigen Anbietern organisierten und angebotenen Touren verlaufen nicht auf der Originalroute, sondern sind dem Massentourismus und den Urlaubsgewohnheiten deutscher Wanderwilliger angepasst.

Der E5-Teil "Bodensee — Adria" verläuft von Konstanz über die Alpen nach Bozen und Venedig. Es handelt sich dabei fast durchweg um einen alpinen Weg, der, zumeist auf Alpenvereinswegen verlaufend, durchgehend als E5 markiert ist. Er passiert keine Kletterstellen und Gletschergebiete und erfordert so keine Schwindelfreiheit, allerdings sind Trittsicherheit und gute Konstitution für die Begehung erforderlich.

Da der Weg bis auf Höhen von 3000 m verläuft, sollte man die Ausrüstung auch im Sommer so wählen, dass man allen Wetterunbilden gewachsen ist. Dar E5 sollte möglichst in Gruppen bewältigt werden und man sollte es nicht versäumen, den jeweiligen Hüttenwirten das nächste Tagesziel mitzuteilen. Entlang des Weges gibt es zahlreiche Alternativrouten, die in zahlreichen Wanderführern ausführlich beschrieben werden.

Verlauf des E5, klassische Route
Wegmarkierung

Wir haben die Alpen von Oberstdorf nach Meran bereits 1990 überquert, das heißt auf der klassischen Route. Es war unser erster Urlaub nach der Wende und in Freiheit. Bereits im Januar 1990 hatten wir mit der Planung begonnen und zum Glück kam Mitte des Jahres die Währungsunion.. Das ermöglichte uns noch vor der Wanderung unsere Ausrüstung auf einen vernünftigen stand zu bringen und während der Wanderung in den Hütten zu übernachten und dort oder Restaurants einzukehren. Die Tour haben wir selbst organisiert. Als Grundlage diente uns dabei der KOMPASS-Wanderführer "Der ES - Bodensee - Adria". Wir haben folgende Etappen zurückgelegt:

  1. Anreise nach Oberstdorf (980m) und Aufstieg zur Kemptner Hütte (1844m), ca. 5 - 6 Stunden

  2. Kemptner Hütte - Holzgau (1103m) - Madautal - Memminger Hütte (2242m), ca. 8 Stunden

  3. Memminger Hütte - Seescharte (2599m) - Zams (775m), ca. 6 - 7 Stunden, ! 1.800 m Abstieg !

  4. Zams — Krahberg (2208m) — Wenns (982m) — (Bus) — Mittelberg (1734m) — Braunschweiger Hütte (2759m), ca. 8 — 9 Stunden

  5. Braunschweiger Hütte — Pitztaler Jöchl (2995m) — Rettenbach Ferner — Gaislach Alm (1968m) — Zwieselstein (1450m), ca. 6 bis 7 Stunden
    Hier im Ötztal haben wir einen Tag Pause eingelegt und uns vom ersten Teil der Wanderung erholt.

  6. Zwieselstein - Timmelsjoch (2509m) - Moos in Passeier (1007m), ca. 7 - 8 Stunden

  7. Moos i.P. - Stuls (1315m) - St. Leonhard i.P. (693m) - Pfandler Alm (1345m), ca. 7 - 8 Stunden

  8. Pfandler Alm - Hintereggalm (1990m) - Hirzer Hütte (1983m), ca. 4 Stunden

  9. Hirzer Hütte — Hirzerscharte (2670m) — Kratzberger See (2119m) — Meraner Hütte (1960m), ca. 5— 6 Stunden

  10. Meraner Hütte - Meran(320m), ca. 4 Stunden

Anschließend sind für für 3 Tage in Meran geblieben und haben uns den Ort und die umliegenden Berge angeschaut. Am Ende ging es mit dem Zug nach Bozen und von dort mit dem EuroCity über München zurück nach Hause. Für uns war das damals ein umwerfendes Erlebnis.