Vom Pragser Wildsee nach Sexten
Jun/Jul 2008
Die Tour hatte ich im Internet entdeckt und den Ausdruck fast 3 Jahre auf meinem Schreibtisch liegen. Dann hatte eine Bekannte von uns ihren 60. Geburtstag, ließ sich einen neuen Rucksack schenken und wollte zum ersten Mal eine mehrtägige Rucksacktour unternehmen. Da sah ich die große Chance, die auf Halde liegende Tour endlich zu unternehmen und schlug eine gemeinsame Tour vor. Veranstalter der Tour war die Bergschule Osttirol in Sillian. Die Mindestteilnehmerzahl war fünf, die Tour wurde durch einen Bergführer geleitet und die Übernachtung erfolgte in Hütten. Der Preis dafür war hervorragend. Ein paar Mitwanderer waren schnell gefunden.
Am Sonntag, dem 29. Juni 2008, fuhren wir mit Peters Kleinbus nach Sillian in Osttirol, Zimmer hatten wir in der Pension Gesser gebucht. Am Abend trafen wir uns mit unserem Bergführer Hannes, der uns noch einige Hinweise für die Tour gab und anschließend schauten wir das Endspiel der EM im Fußball (Deutschland - Spanien 0 : 1). Gepackt war alles und so verbrachten wir die Nacht mehr oder weniger aufgeregt eher unruhig schlafend.
Nach dem Frühstück am Montagmorgen kam unser Bergführer mit dem VW-Bus, wir luden unsere Ausrüstung ein und fuhren gemeinsam über die italienische Grenze zum Pragser Wildsee. Außer dem Bergführer Hannes und mir waren Karin, Barbara, Ilona und Uli mit von der Partie. Uthart hatte wegen Borreliose kurzfristig absagen müssen und Peter hatte uns zwar nach Silian gefahren wollte aber nicht mitwandern. Am Pragser Wildsee angekommen luden wir alles aus und starteten unsere Tour.

1. Etappe
Pragser Wildsee - Dürrensteinhütte
Wir liefen zuerst entlang des Seeufers und begannen dann einen Aufstieg über 800 Höhenmeter in Richtung Rossalm. Hannes gab die Geschwindigkeit vor und beobachtete uns unbemerkt, um die Stärken und Schwächen jedes Einzelnen zu erkennen. An der Alm gab es eine erste Rast und wir tranken vor allem, Hunger hatte keiner. Auf felsigen Pfaden ging es weiter in Richtung Plätzwiese und wir konnten zum ersten Mal die Drei Zinnen erblicken. Nach der Überquerung der Plätzwiese erreichten wir am Nachmittag die Dürrensteinhütte. Hier bezogen wir unser geräumiges Zimmer und stärkten uns erst mit Kaffee und Kuchen und später mit einem leckeren Abendessen. Dazwischen unternahmen wir eine Runde auf dem Plateau zum Fort Prato Piazza und genossen den Ausblick auf den Monte Cristallo.

2. Etappe
Dürrensteinhütte - Monte Piano - Angelo Bosi Hütte
Am Dienstag, dem 01, Juli 2008, starteten wir nach dem Frühstück wieder bei Zeiten. Es gab hinter der Hütte noch einen kurzen Anstieg, bevor der Weg über alte Kriegspfade abwärts ins Tal verlief. Unten liefen wir ein paar Meter entlang der Straße bis zum Dreizinnenblick, wo wir die Straße überquerten und bei ein paar Bänken eine Rast einlegten.
Nach wenigen hundert Metern stiegen wir dann über den Pioniersteig auf den Monte Piano. Hannes hatte uns am Vortag gut beobachtet und legte unsere Reihenfolge beim Aufstieg genau fest. Er vorn, dann die schwächeren Wanderer und am Ende die Starken. Der Weg schlängelte sich in Serpentinen hinauf, vorbei an den alten Stellungen der Gebirgsjäger aus dem 1. Weltkrieg.
Nach dem anstrengenden Aufstieg gab es oben am Gipfel eine ausgiebige Rast. Danach besichtigten wir das Schlachtfeld aus dem 1. Weltkrieg mit Schützengräben und Stellungen der österreichischen Gebirgsjäger und italienischen Alpini. Die Stacheldrahtverhaue und Granateneinschlagslöcher haben 100 Jahre überdauert und man kann sich die Grauen dieses Krieges dort lebhaft veranschaulichen.
Wir überquerten den ehemaligen Kriegsschauplatz, der wieder tolle Ausblicke auf die Drei Zinnen bot und erreichten am frühen Nachmittag unser Tagesziel, die Angelo Bosi Hütte. Die Hütte hat eine grandiose Lage und bietet Ausblicke auf die Drei Zinnen, die Cadini Gruppe und hinunter ins Tal nach Misurina. Wir genossen die Sonne vor der Hütte und aßen später gemeinsam zu Abend.

3. Etappe
Angelo Bosi Hütte - Misurina Scharte - Col de Varda Hütte
Nach dem Frühstück fuhren Ilona und Ulli nach Cortina um Geld zu holen, sie hatten zu wenig Bargeld mit auf die Wanderung genommen. Wir anderen wanderten auf der alten Straße talwärts in Richtung Misurina, querten aber vorher den Talboden am Lago Antorno und liefen dann wieder aufwärts in der Cadini Gruppe in Richtung Forcella della Neve. Nach einer Rast bogen wir rechts ab und stiegen hinauf zur Misurina Scharte (Forcella Misurina). Hier sahen wir schon unser heutiges Tagesziel und die ersten Gewitterwolken in der Ferne, was bedeute, dass wir uns beim Abstieg beeilen mussten. Das Gewitter kam schnell näher, wir erreichten die Col de Varda Hütte aber bevor Regen und Hagel nieder gingen. Es regnete und gewitterte bis zum späten Abend.
Da es die kürzeste Tour der Wanderung war, waren wir sehr früh am Ziel. Wir konnten also in Ruhe Kaffee trinken, unsere Zimmer beziehen und auf die Rückkehr von Uli und Ilona warten. Der Ausblick von der Hütte war ähnlich der vom Vortag. Diesmal schauten wir nur entgegengesetzt zum Monte Piano, Monte Cristallo und auf Misurina und den See. Am Abend aßen wir gemeinsam und unterhielten uns über das bereits Erlebte und das, was noch vor uns lag.

4. Etappe
Col de Varda Hütte - Drei Zinnen - Büllelejoch
Auch hier gab es am Morgen ein ausgiebiges Frühstück und danach starteten wir diese Tagesetappe, sie war die längste. Zuerst ging es talwärts in Richtung Misurina See, dann unten talaufwärts, vorbei am Lago Antorno bis zur Straße zu den Drei Zinnen. Dabei verlief der Weg anfänglich im Wald und später auf schönen Wanderwegen.
Ein Stück nach der Malga di Bianca begann dann der lange Anstieg zur Mittagsscharte (Forcellea del Col de Mezzo), wobei wir zwischendurch und an der Scharte je eine Rast einlegten. Danach liefen wir über die Ebene auf der Nordseite der Drei Zinnen und beobachteten die Bergsteiger in den Wänden der Zinnen. Auf der anderen Seite stiegen wir auf zur Lavaredoscharte (Forcella Lavaredo) und rasteten dann an den zwei kleinen Seen unterhalb des Sattels.
Nach dieser Rast verlief der Weg erst noch eben, bevor danach der Aufstieg, vorbei am Monumento ai caduti, hinauf zur Büllelejochhütte (Rifugio Pian di Cengia) führte. Der Weg zog sich, es war die längste Etappe der Tour. Die Hütte ist sehr urig und außer uns waren noch ein paar Wanderer dort. Aber sie war nicht voll belegt.

5. Etappe
Büllelejochhütte - Oberbachernspitze - Sexten
Am nächsten Morgen waren wir schon früh wach und erkundeten die Gegend rund um die Hütte. Dann gab es ein unerwartet leckeres und üppiges Frühstück, bevor unsere letzte Etappe in Angriff nahmen. Stetig ansteigend verlief der Weg zum teil in alten Schützengräben und Felstunneln hinauf zur Oberbachernspitze. Oben steht das Gipfelkreuz und 2 Meter dahinter geht es fast 900 m senkrecht ins Tal. Dort war ein Teil der Felswand im Oktober des Vorjahres hinunter in Fischleintal abgestürzt und zum Glück war niemand zu Schaden gekommen.
Nachdem wir die Aussicht und den grandiosen Rundumblick genossen hatten begannen wir den Abstieg ins Tal nach Sexten. Vorbei an der Zsigmondi Hütte liefen wir hinunter ins Fischleintal. Nachdem wir die Talschlusshütte passiert hatten, liefen wir noch bis zu den ersten Häusern von Sexten in der Fischleintalstraße und warteten dort auf die Abholung durch den VW-Bus der Bergschule. Der kam ca. nach einer Stunde und brachte uns zurück nach Sillian in Osttirol zur Pension Gesser. Hier trafen wir unseren Freund und Fahrer Peter wieder, übernachteten nochmals und fuhren am nächsten Tag zurück nach Hause. Es war eine super interessante, sehr empfehlenswerte Wanderung.